"Ich hatte zuerst von diesen kleinen Stieren geträumt, die auf der Ladefläche eines Zitronenkarrens saßen und so aussahen, wie die heutige Figur. Im Traum drehte ich mich um, den Karren hatte ich selbst in meinen Händen, da lachten sie mich verschmitzt an. Sie sahen mir unglaublich ähnlich … und natürlich sollten sie zum Leben erweckt werden und so schuf ich diese Kreaturen. Aber was tut man mit diesen Figuren, als Zeichnung oder als Figur? Ich dachte, sie sollten mir nicht nur äußerlich ähnlich sehen, sondern Aufgaben übernehmen, die ich persönlich selbst gern übernehmen würde.
All die Jahre habe ich viele Schirmherrschaften für unzählige Kinderprojekte für unterschiedliche Institutionen übernommen und auch sehr gern. Aber nun wollte ich endlich auch einmal Kinder unterstützen, die zwar dringend Hilfe benötigen, deren Schicksal aber scheinbar nicht medienwirksam genug ist, um über die Öffentlichkeit Hilfe zu erhalten. Ich wollte dort helfen, wo sonst keiner hinschaut.
Als ich über das evangelische Jugend- und Fürsorgewerk mit dem Thema der psychischen Traumatisierung von Kindern konfrontiert wurde, war mir sofort klar, dass hier Handlungsbedarf besteht. Diese kleinen Steppkes, die noch ein Leben vor sich haben, aber keinen Mut mehr besitzen, es anzunehmen. Da gab es Kinder, die haben zugesehen, wie die Mutter erschossen wurde oder die Schwester vergewaltigt wurde. Natürlich ist auch mir vorher immer klar gewesen, dass diese Gesellschaft nicht gewaltlos ist. Aber in dem Augenblick, wo ich die Opfer erlebte, merkte ich, dass auch ich mir zuvor, nie Gedanken gemacht hatte, was ist mit den Beteiligten an Gewalt und Verbrechen, die unverschuldet in einem einzigen Moment den Glauben ans Leben verlieren und genau in diesem Moment allein gelassen werden. Die schon zu alt sind, um das Erlebte zu vergessen und noch zu jung sind, um das Erlebte allein zu verarbeiten.
Und in diesem Augenblick, wo sie alle Hilfe benötigt hätten, war niemand da. Diese Kinder versperren sich gegen die Welt, Das kann man erst verstehen, wenn man sich mit diesem Thema auseinandersetzt. Wie soll man noch Erwachsenen vertrauen, wenn sie doch nicht da sind, wenn man sie wirklich braucht. Wie soll man sich selbst vertrauen, wenn man sich vielleicht noch die Schuld an dem Erlebten gibt, weil man die Gewalt nicht verhindert hat. Kinder machen sich sehr schnell Schuldgefühle und wenn dann in solchen Momenten niemand da ist, um den Kindern zu sagen, dass sie nichts daran hätten ändern können, dann glauben sie fest an ihre Schuld. Und nach einigen Wochen sind sie dann derart verschlossen, dass die verspätete Hilfe gar nicht mehr durchdringen kann. Hierfür braucht es besondere Hilfsprogramme. Und diese habe ich mir zur Aufgabe gemacht.
Heinz der Stier spielt eine wichtige Rolle dabei. Ich kann mich den Kindern gegenüber völlig neutral verhalten, bin also keine Gefahr für sie. Ich trete nicht als Person auf, sondern nur als sprechende Hülle des Comic-Stiers. Somit brauche ich mich auch nicht als fragender „Erwachsener“ einbringen, sondern kann mich mit den Kindern auf einer Ebene, von der keine latente Gefahr ausgeht, bewegen. Ich frage nicht nach, wie die Psychologen oder Betreuer, sondern bin in der Gruppe das Neutrum, unabhängig vom Erlebten der Kinder. Ich lege auch Wert darauf, dass ich nicht über die Einzelschicksale aufgeklärt werde, damit ich unbefangen sein kann. So kann ich jedes Kind als besonderes Individuum annehmen und das schauen sich alle Kids ab und gehen dann untereinander auch so miteinander um. Damit ist der erste Schritt getan. Ein stilles, respektvolles Abkommen, jeder weiß, das Leben war nicht einfach, aber man ist nicht allein.
Und es kann auch jetzt endlich mal gelacht werden, über die eigenen Macken und die Macken des anderen und sich trotzdem mögen. In den Heinz der Stier – Gruppen wird jedem gezeigt, dass es OK ist, dass man vom Leben geprägt wurde, dass alle in der Gruppe, dieses Schicksal haben und dass man es selbst für sich langsam auch akzeptieren kann. Die Abenteuer mit Heinz dem Stier können somit helfen, dass sich respektvolle Freundschaften unter den Kindern entwickeln, die auch stabilisiert werden können, durch Freizeitprogramme in Berlin im Anschluss an das Abenteuer.
Außerdem haben alle Bausteine des Auslandsaufenthalts helfende Elemente: Die Kinder lernen spielerisch sich für ein Hobby zu interessieren, lernen ihre individuellen Fähigkeiten kennen und lernen auch, dass es nicht darauf ankommt, alles zu können, sondern wie wichtig sie in einem Team sind, wo ihre Fähigkeiten benötigt werden. Sie lernen, dass sie sich auf das Team verlassen können und dass jeder einzelne dabei verdammt wichtig ist. Durch Grenzerfahrungen wie Freeclimbing und Schluchtensegeln lernen die Kinder, dass sie sich doch auf Betreuer verlassen können und dass sie viel mehr können, als sie bisher dachten.
Es ist irre toll, zu erleben, wie jedes Kind am Ende überwältigt ist, von sich selbst und von anderen Menschen. Als wir am 19. August 14 Kinder verabschiedeten waren wir persönlich so ergriffen, dass die Tränen rollten, bei uns und bei den Kindern. Die Tränen rollen, als Symbol, dass endlich das Leben wieder ins Rollen kommt, dass die Kinder wieder Hoffnung haben und den Mut, an sich und an das Leben zu glauben. Heinz der Stier hat ihnen nicht nur versprochen, sondern bewiesen, dass das Leben für jedes einzelne Kind soviel Glück bereit hält und dass es nicht weh tut, dieses Glück auch zu nutzen. Ich habe verdammt viel Glück im Leben gehabt, aber glücklich bin ich, wenn ich es weiterreichen kann, vor allem an diejenigen, die nicht an Glück glauben wollen." (www.stier.tv)
"Heinz der Stier" ist eine Initiative von Heinz Hoenig und wird beim Verein
Deutsche Kinderhilfe Direkt e.V. als Projekt geführt.
(www.dkhd.de) |