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Freitag, 30.07.2010
Und die Nacht bringt die Gewalt...

Gemeinsam für Afrika

Susanne Anger reiste im August 2004 zusammen mit "Gemeinsam für Afrika" - Botschafter Wolfgang Niedecken und einer Gruppe von Journalisten für neun Tage nach Uganda. In ihrem Artikel berichtet sie von der Begegnung mit Kindern, die zu Tausenden täglich aus ihren Dörfern in die Stadt Gulu flüchten. Immer dann, wenn es dunkel wird ..... :

 

"...Denn mit der Nacht kommen die Rebellen. Mordend und raubend überfallen sie die Dörfer, erschlagen wahllos Greise, die ihre wenigen Habseligkeiten zu verteidigen suchen, vergewaltigen die Frauen als Demütigung vor den Augen ihrer Männer. Und sie rauben nicht nur das Wenige der sowieso bettelarmen Menschen.

 

Sie rauben die Kinder. Verschleppen sie in ihre Mördertruppe. Kleine Jungen richten sie zu Killermaschinen ab. Mädchen versklaven sie zum Sex mit jedem Commander. Es sind die Rebellen der sogenannten Lord's Resistance Armee ( LRA ) mit ihrem wahnsinnigen Anführer Josef Koni, vor denen die Kinder jeden Abend erneut in die durch Regierungssoldaten bewachte Stadt flüchten. Mehr als 20.000 Kinder hat er bereits verschleppt.

 

Gemeins. f. Afrika kids

Den Kindern folgend, kommen wir an ein abgezäuntes Gelände. Soldaten patrouillieren. Immer wieder öffnet sich das eiserne Tor für ankommende Kinder. Auch wir treten ein. Vor uns haben sich Tausende Kinder versammelt. Sie sind einzeln kaum zu erkennen. Inzwischen ist es stockdunkel. Aber wir hören sie: Sie singen und sie beten für eine friedliche Nacht, bitten um Schutz ihrer Eltern und Verwandten, die sich verstecken mussten und nicht bei ihnen sein können. Wir stehen da und schweigen. Dann - wie auf Kommando - stürmen sie los, in die Zelte und Baracken, die Jungen nach rechts, die Mädchen nach links. Während sie sich um den besten Schlafplatz auf dem nackten Boden balgen, lachen sie wie alle Kinder auf dieser Welt. Eingekuschelt in ihre Decken liegen sie dicht nebeneinander. Früher schliefen sie in den Straßen und den Veranden der Stadt. Seit einigen Jahren haben die Hilfsorganisationen solche Nachtlager für sie gebaut und die Kirchen öffnen ihre Türen, um die Kinder zu schützen.

 

Das Camp, durch das wir stolpernd gehen, heißt Arche Noah. Jeden Tag suchen allein hier mehr als 4000 Kinder einen sicheren Schlafplatz. Sie kommen mit der Dunkelheit und ziehen wieder los, wenn es hell wird. Nacht für Nacht, seit mehr als sechs Jahren. Die Betreuer kennen ihre Kinder beim Namen und sie vermissen immer wieder welche, die den langen Weg dieses Mal nicht geschafft haben, sondern Opfer der Rebellen wurden. Es ist zu spüren, dass die Kinder ihren Helfern vertrauen. Sie sind diejenigen, die beim Licht einer Petroleumlampe noch etwas vorlesen, mit ihnen singen - so wie es sonst Eltern mit ihren Kindern vor dem Schlafen tun.

 

Zu uns kommt eine Gruppe Mädchen.Sie wollen für den fremden Rocksänger aus Deutschland und uns singen. In Englisch, damit wir es auch ja verstehen: 'Remember me, my name is Lorri and this is Anny. Remember us. Don't forget the children of Gulu'. Die Botschaft gellt in unseren Ohren - während die Kinder sich artig für die Hilfe aus Deutschland bedanken. Wir wissen kaum, wo wir hinschauen sollen. Wir sehen zu Boden: Jeden Tag kämpfen diese Kinder um ihr Leben. Und wir? Wir kämpfen mit den Tränen."

 

( www.gemeinsam-fuer-afrika.de )